Platt in der Schule

Das Thema „Plattdeutsch in der Schule“ erfährt gerade in den letzten Jahren eine vorher kaum für möglich gehaltene Dynamik. Auslöser ist zum einen sicherlich die „Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“, in deren Folge eine zunehmende Wertschätzung der niederdeutschen Sprache zu verzeichnen ist; zum anderen drückt der eklatante Rückgang der Sprachkompetenz bei jüngeren Menschen die Bedrohung der niederdeutschen Sprache unmittelbar aus.

Verantwortlich für die schulische Ausbildung der jungen Menschen sind die Bundesländer. Lange Zeit wiederholte man sprachpflegerische Absichtserklärungen in Erlassen, ohne über die Einführung eines Unterrichtsfaches „Niederdeutsch“ ernsthaft nachzudenken. Plattdeutsch blieb weitgehend auf freiwillige Arbeitsgemeinschaften beschränkt. Innerhalb der Stundentafel kam es allenfalls zu Sprachbegegnungen, während ein systematischer Spracherwerb unterblieb. Ohne den Status eines Faches fehlte vor allem der Anschluss an aktuelle didaktische Forschungen und methodische Grundlagen in Theorie und Praxis.

Die Rahmenbedingungen haben sich spätestens 2010 grundlegend geändert. Nun galt im Stadtstaat Hamburg erstmals ein Bildungsplan Niederdeutsch – die Regionalsprache wird darin gleichberechtigt mit anderen Zweitsprachen und weiteren Angeboten als Wahlpflichtfach etabliert. Für das Schuljahr 2014/15 gelten in Hamburg Bildungspläne für die Sekundarstufe I (Stadtteilschule und Gymnasium). In Schleswig-Holstein gilt für 27 ausgewählte Grundschulen, die sich an einem Sonderprogramm beteiligen, vom Schuljahr 2014/15 an ein „Leitfaden Niederdeutsch“. 2012 legte Niedersachsen einen neuen Erlass „Die Region und ihre Sprachen im Unterricht“ auf. Dieser ermöglicht positive Impulse für Platt und erwähnt erstmals die Möglichkeit, Plattdeutsch in der Schule zu lernen.

Verlässliche und stabile Strukturen sind unverzichtbar, wenn sich die Regionalsprache als Teil des staatlichen Bildungsangebots behaupten soll. Die Berücksichtigung des Niederdeutschen in den Lehrplänen ist hierfür ein wichtiger Baustein. Die Bemühungen der einzelnen Bundesländer fallen in dieser Hinsicht recht unterschiedlich aus. Wichtig wären Absprachen und Maßnahmen über die Ländergrenzen hinweg.

Eine aktuelle Bestandsaufnahme liefert die Broschüre „Auf dem Stundenplan: Plattdeutsch“ (2013), herausgegeben vom Bundesraat för Nedderdüütsch.

„Auf dem Stundenplan: Plattdeutsch“ (2013)

herausgegeben vom Bundesraat för Nedderdüütsch
www.bundesraat-nd.de

Die Broschüre kann kostenlos angefordert werden.