Preise dienen in gewisser Weise der Selbstvergewisserung einer Gesellschaft mit durchaus rituellem Charakter. Sie wiederholen sich, weisen also Stetigkeit auf, und sollen ehren: diejenigen, die auszuzeichnen es wert sind. Zudem sind auch hier wiederum die Experten zuständig, diesmal die von der kulturellen Relevanz. Dass sich bei vergleichsweise geringer Population denn doch so viele Preise finden, belegt eine gewisse Tendenz zur Vitalität auch dieses Teils der Branche. Und erfreulich allemal ist zu verzeichnen, dass junge, unkonventionelle Künstler auch zu den Geehrten zählen. Was der Kulturbetrieb an Preisen zu bieten hat, zeigt folgende Aufstellung:
- Augustin-Wibbelt-Plakette: Die Augustin-Wibbelt-Plakette für besondere Verdienste um die Heimat- und Kulturpflege im Kreis Warendorf und die niederdeutsche Sprache wurde im Jahr 1985 vom Kreisheimatverein Beckum-Warendorf gestiftet und wird seit 1986 jährlich verliehen. Eine Eigenbewerbung bzw. Vorschläge sind möglich.
- Bad Bevensen-Preis: Seit 1985 Preis zur Förderung der vokalen und instrumentalen Gestaltung und Interpretation niederdeutscher Texte. Er wird alle drei Jahre auf der Bevensen-Tagung vergeben, gestiftet von der Stadt Bad Bevensen. Eine Eigenbewerbung ist möglich.
- Borsla-Preis: Seit 1997, gestiftet von der „Vereinigung für niederdeutsche Sprache und Literatur e.V.“, Bösel. Wird für Kurzgeschichten, Gedichte und Hörspiele verliehen. Eine Eigenbewerbung mit Kennwort ist möglich.
- Ehm Welk-Literaturpreis: Gestiftet 1992 vom Landkreis Angermünde, wird alle zwei Jahre vergeben. Die Vergabe erfolgt ausschließlich an Brandenburger Autoren, eine Eigenbewerbung ist möglich. Angeregt werden literarische Arbeiten menschlichen Erlebens im Umfeld von Heimat, Landschaft und Natur.
- Ehrenbrief der Fritz-Reuter-Gesellschaft: Wird unregelmäßig seit 1981 vergeben, eine Eigenbewerbung ist nicht möglich. Geehrt werden Personen, literarische Gesellschaften bzw. Einrichtungen, die zur Verbreitung des Werkes Reuters bzw. zur Pflege der niederdeutschen Sprache wesentlich beigetragen haben.
- Freudenthal-Preis: Seit 1957, gestiftet 1956 von der Freudenthal-Gesellschaft. Der Preis wird zur Pflege und Erhaltung der plattdeutschen Sprache vergeben. 1957-1971: Gedichte; ab 1972: auch Kurzgeschichten, 1983: ausschließlich Theaterstücke. Alle Textsorten (unveröffentlicht) ab 1994, maximal 25 Seiten. Eine anonyme Eigenbewerbung ist erforderlich.
- Friedestrompreis: Seit 1986, gestiftet durch den Kreis Neuss, Internationales Mundartarchiv „Ludwig Soumagne“. Der Preis ist nicht auf das Niederdeutsche beschränkt und bezieht sich auf Verdienste in der deutschsprachigen Dialektdichtung. Er wird zweijährlich vergeben. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich.
- Fritz-Reuter-Literaturpreis der Reuterstadt Stavenhagen: Seit 1999, gestiftet von der Reuterstadt Stavenhagen. Er wird vergeben für Lyrik oder Prosa, Arbeiten zur niederdeutschen Sprache sowie zum Leben und Werk von Niederdeutsch-Autoren. Eine Eigenbewerbung ist möglich.
- Fritz-Reuter-Preis:
Exkurs: Preise der Stiftung F.V.S. Conrad-Borchling-Preis zur Förderung der niederdeutschen Philologie, Richard-Ohnsorg-Preis für darstellende Kunst und Theaterregie im Bereich des niederdeutschen Schauspiels, Klaus-Groth-Preis 1954 zur Förderung der Versdichtung in niederdeutscher Sprache, Fritz-Reuter-Preis 1954 für erzählende Dichtung, Fritz-Stavenhagen-Preis 1958 zur Förderung der dramatischen Dichtung in niederdeutscher Sprache, Hans-Böttcher-Preis 1958 zur Förderung der Hörspieldichtung in niederdeutscher Sprache. 1984: Einstellung des Conrad-Borchling-Preises, Zusammenfassung der weiteren fünf Preise zum Fritz-Reuter-Preis. Dieser Preis wird für Leistungen auf den Gebieten der niederdeutschen Dichtung (Schauspiel, Hörspiel, erzählende Dichtung, lyrische Dichtung etc., Sprache, Kultur und Wissenschaft allgemein) vergeben. Eine Eigenbewerbung um den Preis ist nicht möglich. Der Preis ist mit 10.000 € dotiert und wird seit dem Jahr 2000 von der Carl-Toepfer-Stiftung ausgelobt. - Klaus-Groth-Preis der Stadt Heide: Mit diesem Preis wird herausragende Lyrik in niederdeutscher Sprache seit dem Jahre 2004 gewürdigt. Angeregt und gefördert von dem niederdeutschen Autor Karl-Heinz Groth trägt dieser Preis dazu bei, die sprachliche und kulturelle Vielfalt niederdeutscher Sprache und Kultur zu würdigen
- Hans-Henning-Holm-Preis: Seit 1988, gestiftet von der Diana-Krankenhausbetriebsgesellschaft. Der Preis wird alle drei Jahre auf der Bevensen-Tagung für besondere Leistungen auf dem Gebiet des niederdeutschen Hörspiels vergeben. Eine Eigenbewerbung ist erforderlich.
- Heinrich-Schmidt-Barrien Literaturpreis für niederdeutsche Sprache: Gründungsjahr 2000, Stifter/Träger ist der Bremer Kulturverein Freizeit 2000. Eine Eigenbewerbung ist möglich. Ausgelobt ist der Preis für Schriftsteller, die sich mit ihrem Werk für die Erhaltung und Pflege der niederdeutschen Sprache einsetzen.
- Johannes Gillhoff-Preis: Er wurde 1979 vom Kulturkreis Mecklenburg gestiftet. Jährliche Vergabe an Literaten (Schriftsteller und Heimatforscher), die sich um Mecklenburg und Norddeutschland verdient gemacht haben. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich.
- Johannes-Sass-Preis: Gestiftet 1986 von der Volksbank Uelzen-Bevensen, wird er alle drei Jahre auf der Bevensen-Tagung ausgeschrieben für Arbeiten auf literaturwissenschaftlichem, literaturkritischem und volkskundlichem Gebiet, die sich mit niederdeutschen Texten auseinandersetzen. Der Preis dient der Förderung und Verbreitung niederdeutscher Literatur- und Kulturwissenschaft. Eine Eigenbewerbung ist möglich.
- Karl-Mahnke-Theaterpries: Alle drei Jahre schreiben die Niederdeutschen Bühnenbünde und der Theaterverlag Mahnke den "Karl-Mahnke-Theaterpries" aus. Schwerpunkt des aktuellen "Theaterpries" sind Stücke für das Kinder-und Jugendtheater. Alltag, Erfahrungswelten, Träume und Ängste von Kindern und Jugendlichen sollen für Kinder und Jugendliche bearbeitet werden. Die nächste Verleihung wird 2012 stattfinden. Teilnehmen kann jeder bis 35 Jahre, auch Gruppenarbeiten könne eingereicht werden, sofern die Mitglieder der Gruppe nicht über 35 Jahre alt sind. Das Stück
- muss auf niederdeutsch vorliegen
- muss einen Neuschöpfung sein
- muss abendfüllend sein
- darf noch nicht verlegt worden sein. Der Preis beinhaltet ein Preisgeld von 1000 € und eine Aufführungsgarantie durch die Niederdeutschen Bühnenbünde und die Veröffentlichung des Stückes durch den Verlag. - Keerlke-Pries: Gestiftet vom Verein Oostfreeske Taal für Verdienste um das Niederdeutsche. Die Vergabe erfolgt jährlich. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich, Vorschläge sind erwünscht.
- Kulturpreis der Stadt Norderstedt: Ausgelobt vom FORUM Kultur & Städtepartnerschaften, wird er für künstlerische Leistungen in den Sparten Bildende Kunst, Literatur und Musik alle drei Jahre vergeben. Keine Eigenbewerbung möglich.
- Kulturpreis für Literatur des Landkreises Cuxhaven: Gestiftet 1994 vom Landkreis Cuxhaven. Die Stipendienvergabe will deutschsprachige Literatur aller Sparten fördern, Wohnraum (Heim des Dichters Hermann Allmers) wird gestellt. Eine Eigenbewerbung ist erforderlich.
- NDR – Vertell doch mal: Ausgelobt vom NDR I Welle Nord für Kurzgeschichten zu einem vorgegebenen Thema, fünf Preisträger werden jährlich benannt. Die 25 besten Kurzgeschichten werden publiziert.
- Niederdeutscher Literaturpreis der Stadt Kappeln: Von der Stadt Kappeln 1991 gestiftet in Zusammenarbeit mit dem Schleswig Holsteinischen Heimatbund. Der Preis dient der Würdigung niederdeutscher Literatur und Sprache. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich.
- Niederdeutsches Theater für Kinder und Jugendliche: Gestiftet 1992 von der Arbeitsgemeinschaft Ostfriesisches Volkstheater und der Ostfriesischen Landschaft. Der Preis soll der Nachwuchsförderung dienen und wird für Theaterstücke vergeben, die von Kindern und Jugendlichen spielbar sind und sich an ein Kinder- und Jugendpublikum richten. Verleihung: alle 4 Jahre. Eine Eigenbewerbung ist erforderlich.
- Ostfälisches Institut der Deuregio Ostfalen e.V. Autorenwettbewerb: Jährlich ausgeschrieben für alle, die in Ostfalen wohnen und in ostfälischem Niederdeutsch bislang unveröffentlichte Texte einreichen. Angesprochen werden sollen vor allem junge Autoren. Eine anonyme Eigenbewerbung ist erforderlich.
- Plattdeutsches Buch des Jahres: seit 2005 von der Carl-Toepfer-Stiftung und dem Institut für niederdeutsche Sprache ausgelobter Preis für in gestalterischer, handwerklicher und inhaltlicher Art und Weise herausragende Bücher. Der Preis ist dotiert mit 2.000 Euro und wird anlässlich der "Plattdeutschen Buchmesse" verliehen. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich.
- Plattdütsk Schrievwettstried „Wi schrieven Platt, kannst du dat ok?“: Stifter ist Oostfreeske Taal, für Kinder vom 5. bis 8. Schuljahr wird ein Thema vorgegeben, für 14-20jährige werden eine Reportage oder ein Kommentar zu einem aktuellen Thema erwartet. Eine Eigenbewerbung ist erforderlich.
- Plattfoss-Schrieverwettstriet: Ausgelobt vom Plattdeutschen Förderkreis in der Region Osnabrück. Gedichte und Kurzprosa in den Gruppen Aule und Junge Fösse. Eigenbewerbung mit Kennwort.
- Quickborn-Preis der Vereinigung Quickborn: Gestiftet 1960, Verleihung alle zwei Jahre für besondere Leistungen auf dem Gebiet der niederdeutschen Sprache und Literatur sowie der volkskundlichen Forschung. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich.
- Rottendorf-Preis für Literatur und Publizistik: Seit 1975/76, gestiftet von der nordrhein-westfälischen Rottendorf-Stiftung zur Förderung und Pflege niederdeutscher Sprache in Literatur und Publizistik. In der Regel wird der Preis alle zwei Jahre auf Vorschlag der Stiftung „Der Westfälische Heimatbund Münster“ für ein Gesamtwerk vergeben.
- Stückepreis Niederdeutsch: Ausgelobt vom Niederdeutschen Bühnenbund, dem Institut für niederdeutsche Sprache und der VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Der Preis wird für ein dramatisches Werk, das in niederdeutscher Sprache geschrieben ist oder vom Hochdeutschen ins Niederdeutsche übertragbar ist und in Niederdeutsch aufgeführt wird, vergeben. Eine Eigenbewerbung ist notwendig. Der Preis wurde im Sommer 2002 erstmalig vergeben.
- Viöler Pries för plattdüütsch Kinnertheater: Ausgelobt wird dieser Autorenwettbewerb für plattdeutsches Kinder- und Jugendtheater von der Stiftung Volksbank-Raiffeisenbank Husum, er wird alle zwei Jahre vergeben. Eine anonyme Eigenbewerbung ist erforderlich.
- Wilhelm Fredemann Preis: Gestiftet vom Heimatbund Osnabrücker Land zur Erhaltung und Verbreitung der plattdeutschen Sprache.
- Wilhelmine-Siefkes-Preis: Seit 1990, gestiftet vom Kulturamt der Stadt Leer. Zugelassen sind literarische Werke aller Gattungen. Der Preis wird alle vier Jahre vergeben für gegenwartsbezogene Themen auch für jugendliche Leser. Eine Eigenbewerbung ist erforderlich.
- Willy-Beutz-Preis: Gestiftet 1975 von Willy Beutz, wird vom vom Niederdeutschen Bühnenbund Niedersachsen/Bremen zur Förderung des niederdeutschen Schauspiels für eine Bühne verliehen. Turnus zweijährlich. (FM)





