Wöör verkloort

Niederdeutsche Wörter und Redewendungen und ihre Herkunft


Leuwagen

Bi’n Vörjohrsputz kummt de Leuwagen in de Gangen! Wenn im Frühling die Vögel tirilieren und die Pflanzen sich ein grünes Kleid zulegen, dann drängt es auch die Menschen zur Tat. Beim großen Saubermachen kommt dem Leuwagen traditionell eine tragende Funktion zu. Als Stielschrubber dient er, zumeist kombiniert mit einem Feudel, der Reinigung von Fußböden: Vunmorgen feil ik eerstmal de Köök mit den Leiwagen.

Die Herkunft des Wortes Leuwagen, gesprochen auch Leuwaag oder Leiwagen, lag für die Sprachwissenschaft lange Zeit im Dunkeln. Zwar konnte man im vorderen Element Leu- das niederländische loi/lui für „faul, träge, matt“ erkennen, doch eine Verbindung von -wagen mit „bewegen“ wollte nie recht überzeugen. Plausibler erscheint die Deutung, nach der das im mittelalterlichen Niederdeutsch bekannte dwagen in der Bedeutung „waschen“ anzusetzen ist. Demnach ist der Leuwagen ein Gerät, mit dem man sich das Säubern des Fußbodens erleichterte, zumal man für diese Arbeit ursprünglich auf die Knie gehen musste.

Zumindest in früheren Zeiten war der Frühjahrsputz fest an die Frauenrolle geknüpft: De Huusfro schüert mit den Leuwagen dat ganze Huus. Wie weit bei einigen die Identifizierung mit dieser Arbeit ging, zeigt die Aussage: Wenn se den Leiwagen nich in de Hand hett, is se man en halven Minschen. Bei so viel Energie kann sogar das Arbeitsgerät Schaden nehmen: Nu geiht’t los, seggt Stina Goos, dor floog de Leuwagen vun’n Steel.

Übrigens: Die fälschliche Zuordnung des Leuwagen zu den Fahrzeuge hat schon manchen in die Irre geleitet. Ein Rätsel spielt mit dieser Unsicherheit: Wat för’n Wagen hett keen Rööd? Die Antwort liegt auf der Hand.

Quelle: fotolia


Die Begriffserklärungen wurden in der Zeitung "Die Welt" abgedruckt.


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