20.01.2015

Heinrich Siefer erhält den Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis 2015

Er steht nicht gern im Rampenlicht. Heinrich Siefer (55) wirkt am liebsten in aller Stille, wenn er plattdeutsche Familienfreizeiten plant und durchführt, wenn er seine Radiotexte für die Andachtenreihe „Dat kannst mi glöven“ schreibt oder wenn er seine eigenen Gedichte und Geschichten formuliert. Plattdeutsch ist für ihn eine äußerst vielfältige und lebendige Sprache, die in unterschiedlichsten Situationen ihren Platz hat und unser heutiges Leben bereichert. Denn: Twee is mehr as een.

Dieser breite Ansatz, der Hand in Hand geht mit einer kompetenten und durchdachten Umsetzung, stellt Heinrich Siefer in eine Reihe mit dem Patron des Preises, der ihm am 7. März verliehen wird. Auch Heinrich Schmidt-Barrien beschränkte sich nicht aufs literarische Schreiben, sondern er machte sich einen Namen beim Rundfunk, er war in Schulen aktiv und beförderte den plattdeutschen Gesang.

Einfühlsam, nachdenklich und zugewandt sind Siefers Texte, die immer wieder die Landschaft, die Natur und die Orientierungssuche der Menschen in unserer Zeit thematisieren und die er 2014 in dem Band „Land so wiet“ veröffentlichte. Eindrucksvoll wird das Buch nicht zuletzt durch Fotos von Willi Rolfes, mit dem Siefer seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Vertrauen und Verlässlichkeit sind Werte, die sein Schaffen durchziehen. Seit 1991 ist Heinrich Siefer im „Schrieverkring Weser-Ems“ aktiv. Das Zusammenwirken von Text und Bild hatte er bereits in den Büchern „Boombiller – Billerböme“ und „Wulkenland – Biller un Texte över Wulken, Land un Wiede“ erprobt. Heinrich Siefer, ausgebildeter Theologe und seit über zwanzig Jahren als Dozent in der Katholischen Akademie Stapelfeld tätig, bleibt in all seinem Tun nahe an den Menschen.

Der Einsatz für die plattdeutsche Sprache ist für Heinrich Siefer alles andere als ein Selbstzweck. Seine Name wird zu allererst genannt, wenn es um die Verwendung von Niederdeutsch in Pflegeeinrichtungen geht. Für viele ältere Mitmenschen bedeutet Platt ganz einfach Lebensqualität, für andere ist die Regionalsprache eine letzte schmale Brücke, die einen Austausch mit anderen überhaupt ermöglicht. Und so wirbt Siefer in Vorträgen vielen Gesprächen mit Verantwortlichen für einen respektvolleren Umgang mit den Menschen und ihrer Sprache.

Dieser Mann bringt sich ein. So wirkt er in der Arbeitsgemeinschaft „Plattdüütsch in de Kark Neddersassen/Bremen“ auf Kirchentagen und Katholikentagen mit, er ist Mitherausgeber der Zeitschrift für plattdeutsche Gemeindearbeit „De Kennung“. Daneben ist er Leiter der „Arbeitsgemeinschaft niederdeutsche Sprache und Literatur“ in der Oldenburgischen Landschaft, Sprecher der „Fachgruppe Niederdeutsch und Saterfriesisch“ im Niedersächsischen Heimatbund und Delegierter im Bundesraat för Nedderdüütsch.

In all diesen Aktivitäten zeigt Heinrich Siefer eine klare Linie: Es geht ihm um die Menschen – und damit immer auch um die Sprache.