04.11.2011

Plattdeutsches Buch des Jahres 2011: „Na Lütten?“

Hamburg: Auszeichnung für Donat Verlag aus Bremen - „Na Lütten?“ – so beginnen die meisten Briefe, die Heinrich Buchholz zwischen 1933 und 1937 aus dem Bremer Konzentrationslager Mißler und dem Zuchthaus Oslebshausen an seine Frau Guste auf Platt, an seine Tochter Lore auf Hochdeutsch schrieb.

Dass er sie in Plattdeutsch verfasste, war für ihn selbstverständlich. Vielleicht half seine Familiensprache ihm auch, einen immer aufmunternden Ton zu finden, der nie sentimental oder resignativ wirkt. „Na Lütten?“ ist ein Zeugnis der Menschlichkeit, das gleichzeitig eine finstere Zeit dokumentiert.

In der Begründung der Juryheißt es: „Das Buch konnte nur entstehen, weil Lore Buchholz in den vordergründig schlichten Texten mehr erkannte als einen Teil ihrer Familiengeschichte. Und weil sich mit Helmut Donat ein Verleger fand, der den Mut aufbrachte, das historische Material in einer ansprechenden Briefedition zu präsentieren.“ Nur in dieser glücklichen Zusammenarbeit konnte aus einem Schuhkarton mit Briefen und Postkarten ein überaus ansehnliches Buch werden. „Solche Dokumente“, ergänzt Dr. Reinhard Goltz vom Institut für niederdeutsche Sprache, „haben wir in plattdeutscher Sprache bisher noch nie gesehen. Das Buch spiegelt in beeindruckender Weise Weltgeschichte, Familiengeschichte und den unverzagten Glauben an bessere Zeiten.“

Der Band enthält zahlreiche Abbildungen und Zeichnungen (auch die von Lore an ihren Vater), ein Geleitwort von Heinrich Hannover, eine biografische Skizze von Lore Buchholz über ihren Vater und zahlreiche Dokumente und Fotos aus seinem Leben.

So klein und „lütt“ der Bremer Donat Verlag auch ist, seine Bücher sind von großer Qualität. So hat jetzt die Hamburger Carl-Toepfer-Stiftung, die dem von Lore Buchholz und Helmut Donat herausgegebenen Buch „Na Lütten?“ den Titel „Plattdeutsches Buch des Jahres“ 2011 verliehen.