04.02.2011

Plattdeutsche Briefe aus dem KZ? Platt als Sprache

eines inneren Widerstands gegen die Nazis? Für Heinrich Buchholz

gehörte das Schreiben plattdeutscher Briefe zur Überlebensstrategie in finsterer Zeit.

„Na, Lütten“, so beginnt Buchholz die meisten der Briefe, die er in den Jahren 1933 bis 1937 aus dem KZ und dem Zuchthaus an seine Frau geschrieben hat. Beiläufig klingt dieses „Na, Lütten“. Vertrauen und Zusammengehörigkeit finden in einer einfachen Formel ihren Ausdruck. In den – selbstverständlich kontrollierten – Briefen geht es um Löcher in den Socken, Besuche und das Famliengeschehen außerhalb der Bremer Gefängnismauern.

Die Briefe an seine Guste schrieb Heinrich Buchholz auf Platt. Dabei ist sein Platt weit mehr als die übliche Familiensprache. Der heutige Leser der beeindruckenden Dokumente spürt: Das andere Idiom bietet ihm Schutz und verleiht ihm Freiräume. Denn Platt ist das Ausdrucksmittel, das ihn von seinen Peinigern unterscheidet.

Ausgaben von Briefen aus Nazi-Haftanstalten liegen in großer Zahl vor. Sie alle geben vielschichtige Einblicke – weniger in das Gefangenendasein als in die Gefühlswelten der Eingesperrten. Hier aber kommt eine weitere Ebene hinzu. Denn der KPD-Mann Buchholz drückt durch die Sprachwahl nicht zuletzt seinen ungebrochenen Widerstandswillen aus.

Mit Tochter Lore, die Mitte der 1930er Jahre ihre erste Schulzeit verbringt, verständigt sich Buchholz übrigens in einem sehr einfühlsamen Hochdeutsch. Auch diese Texte sind abgedruckt und teilweise im Faksimile wiedergegeben.

Buchholz starb 1953. Fast 60 Jahre nach seinem Tod gibt seine Tochter Lore nun die Briefe erstmals an die Öffentlichkeit. „Na, Lütten“ ist ein ebenso eindringliches wie menschliches Buch.

Der Donat Verlag, der bekannte Anwalt Heinrich Hannover und Lore Buchholz stellen das Buch am 7. Februar um 19.30 Uhr in der Bremer Buchhandlung Leuwer, Am Wall 171, der Öffentlichkeit vor. (RG)